Sophie Clees in Zürich (Schweiz)
Sophie Clees, Ausbilderin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ressort 307 Klima und Nachhaltigkeit. Frau Clees absolvierte ein 3-wöchiges EU-Praktikum im Departement Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadtverwaltung.
Einsatzorte
Verschiedene Abteilungen im Department Umwelt- und Gesundheitsschutz:
- Klima- und Umweltstrategie und -politik (KUSP)
- Klima und Ressourcen, Kampagnen
- Energie und Gebäude sowie Netto-Null und Kooperationen
Wissenswertes und Impulse
Klimaschutzziel Netto-Null 2040
Die Stadt Zürich will das Klimaschutzziel Netto-Null auf Stadtgebiet bereits 2040 erreichen. Netto-Null heißt, dass in der Gesamtbilanz auf Stadtgebiet keine Treibhausgasemissionen verursacht werden. Ein kleiner Teil der Emissionen wird sich jedoch nicht vollständig vermeiden lassen – etwa im Bereich der Abfallverwertung. Deshalb soll mittels CO2-Entnahme und -Speicherung Verfahren (Carbon Capture and Storage=CCS) das Ziel Netto-Null erreicht werden.
Zusätzlich wird das Ziel angestrebt, die Treibhausgasemissionen, die außerhalb der Stadtgrenze ausgestoßen werden, aber von den Züricher*innen mit verursacht werden (indirekte Emissionen z.B. durch Konsum) mit minus 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Sämtliche Maßnahmen für die Reduktion der Treibhausgasemissionen in ihrem eigenen Einflussbereich will die Stadt bereits bis 2035 umsetzen. Ausgenommen ist der Bereich der Wärmeversorgung, für welchen das Zieljahr 2040 gilt.
Im Jahr 2022 hat die Züricher Stimmbevölkerung den städtischen Klimaschutzzielen mit einer klaren Mehrheit von 75 Prozent zugestimmt. Für die Umsetzung von Klimachutzmaßnahmen verfügt die Stadt Zürich über ein sehr großes Budget für finanzielle und personelle Ressourcen. Eine halbe Milliarde Franken gibt die Stadt Zürich jedes Jahr aus, um bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden.
Eine der Maßnahme aus dem Züricher Klimaschutzplans ist z.B. das Förderprogramm "Energietische Sanierung". Das Förderprogramm läuft von 2022–2025, es werden energiesparende Sanierungsmaßnahmen wie Heizungsaustausch oder Wärmedämmung für ca. 34.900 Wohngebäude gefördert. Hierfür wird insgesamt eine Fördersumme von 18 Mio. Franken bereitgestellt. Zum Vergleich: in Wuppertal haben wir das Förderprogramm "energieeffizientes Zuhause" (finanziert durch das Land NRW) angeboten mit einer Fördersumme von insgesamt 430.000€. In Wuppertal gibt es 54.223 Wohngebäude (Stand 2017).
Querschnittsthemen
Personalentwicklung und Digitalisierung
In der Schweiz ist es üblich sich zu duzen, auch zwischen Sachbearbeiter*innen und der Führungsebene. Der Umgang in der Abteilung untereinander war sehr freundlich und mit flacher Hierarchie. Regelmäßig werden im Intranet Teambarometer-Umfragen durchgeführt. Hier können die Mitarbeitenden ihre Ideen für eine Verbesserung der Zusammenarbeit einbringen. Ich war eingeladen bei der Weihnachtsfeier dabei zu sein, die zusammen mit dem gesamten Geschäftsbereich (ca. 160 Mitarbeitende) gefeiert wurde.
worksmart@zürich
Die Büroräume im Department Umwelt- und Gesundheitsschutz sind sehr modern ausgestattet. Die Mitarbeitenden dieser Abteilung arbeiten im Desk-Sharing Modell, mit einer Arbeitsplatzquote von 0,9 Arbeitsplätze pro Vollzeitstelle. Das bedeutet, dass es keine festen Arbeitsplätze gibt und jeder sich tagtäglich einen freien Platz sucht (ohne den zuvor online buchen zu müssen).
Damit das Desk-Sharing gut funktionieren kann hat jeder seinen eigenen Spint für Arbeitsmaterialien. Zudem gibt es sogenannten "Kommunikationsräume" für Besprechungen, sodass die Kolleg*innen in den Büroräumen nicht gestört werden. Es gibt auch Räume mit Einzelarbeitsplätzen sowie Begegnungsräume mit gemütlichen Sitzgelegenheiten.
Die Mitarbeitenden arbeiten viel mit One Note und Teams. Sie tauschen sich größtenteils über Chatnachrichten aus, E-Mails werden im Vergleich zur Stadtverwaltung Wuppertal weniger geschrieben. Zudem arbeiten sie intensiv mit Online-Tools zum Projektmanagement wie "Miro". Die Besprechungen finden als Videokonferenz sowie vor Ort in Besprechungsräumen statt, sodass die Kolleg*innen im Homeoffice auch teilnehmen können. Die Besprechungsräume sind alle mit großen Digital Boards ausgestattet mit Micro- und Videofunktion.
Eine Idee für Wuppertal
Ich würde es begrüßen, wenn wir auch in der Stadtverwaltung Wuppertal die Chatfunktion von Avaya mehr nutzen zur Vereinfachung der internen Kommunikation. Zudem fände ich es sinnvoll, wenn desk-sharing weiter ausgebaut wird. Somit könnten wir mehr Ressourcen sparen und den ressortübergreifenden Austausch unter den Mitarbeitenden fördern.
Fazit
Der dreiwöchige Aufenthalt in Zürich hat mir sehr gut gefallen. Es hat Spaß gemacht in einem so modernen Arbeitsumfeld einzutauchen. Die neuen Arbeitskolleg*innen waren sehr freundlich und interessiert an meinen Erfahrungen aus Wuppertal. Ich durfte selbst entscheiden, welche Termine mich interessieren und habe an vielen verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Inhaltlich war es beeindruckend zu erfahren, wie die Stadt Zürich vorgeht bei dem Monitoring und Controlling von Ihren ambitionierten Klimaschutzzielen. Ich bin davon begeistert, was die Bereitstellung mit ausreichend finanziellen und personellen Ressourcen in der Klimaschutzarbeit erreicht werden kann.
Zukünftig möchten wir weiterhin im Austausch bleiben. Ich bin gespannt darauf, die Entwicklungen der Züricher Klimaschutzaktivitäten mitzuverfolgen. Die Teilnahme beim EU-Praktikum war für mich eine super Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.