Kathrin Unglaub in Wien
Kathrin Unglaub ist Ausbilderin und Expertin in der beruflichen Integration beim Jobcenter. Sie hat im Mai 2026 ein zwei-wöchiges Praktikum beim Fonds Soziales Wien in Wien, Österreich absolviert.
Einsatzorte
Vier der fünf Abteilungen des FSW:
Wohnungslosenhilfe, Pflege und Betreuung, Behinderung und Inklusion sowie Grundversorgung für geflüchtete Menschen
Wissenswertes und Impulse
Aufbau und Aufgaben des Fonds Soziales Wien
Die Abkürzung für den Fonds Soziales Wien ist FSW. Die Zentrale befindet sich im dritten Bezirk, doch ist der FSW dezentral an verschiedenen Standorten in Wien vertreten. Der FSW hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen,die ihren ersten Wohnsitz in Wien haben, die Unterstützung zu bieten, die sie benötigen. Diese fünf Bereiche werden vom FSW abgedeckt:
- Unterstützung für Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen
- Unterstützung für Menschen mit Behinderung
- Hilfe für Menschen ohne eigene Wohnung
- Beratung von Menschen mit Geldproblemen
- Grundversorgung für geflüchtete Menschen
Es werden pro Jahr ca. 145.000 Kundinnen und Kunden vom FSW und seinen 170 Partnerorganisationen von mehr als 2.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versorgt. Der Fonds Soziales Wien erbringt Aufgaben und Leistungen im Gesundheits- und Sozialbereich für die Gemeinde Wien und erhält hierfür Gelder der Stadt Wien. Auch inhaltlich unterliegt er der Stadt Wien.
Telefonische Gesundheitsberatung
Auch präventiv informiert der FSW zum Thema Gesundheit.
Auch die telefonische Gesundheitsberatung für die Stadt Wien wird über die Hotline 1450 vom FSW betrieben.
Face to Face
Es gibt einmal im Monat eine "face to face"- Veranstaltung, bei der immer eine Abteilung des FSW einlädt und sich vorstellt. So haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen die Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernenund zu erfahren für was die jeweilige Abteilung zuständig ist. Die Veranstaltung wird auch gerne dafür genutzt bei einem potentiellen Wechselwunsch schon einmal erste Kontakte zu knüpfen und sich zu informieren.
Querschnittsthemen
Personalentwicklung/ Ausbildung
Der FSW bildet in fünf Bereichen aus: Bürokaufleute, Medienfachleute, Finanz- Rechnungswesensassistenz, Applikationsentwicklung - Coding sowie IT-Systemtechnikerinnen und -techniker.
Die Auszubildenden wissen es sehr zu schätzen, dass sie auch bereits in der Lehre (so wird es weiterhin in Österreich bezeichnet) aus dem Homeoffice herausarbeiten können, ihre Ideen und Kreativität einbringen können, ab der Volljährigkeit die Gleitzeitnutzen dürfen, bei eigens veranstalteten Events zusammentreffen und monatlich Essensgutscheine erhalten. Zudem bekommen sie zwei Prämien im Jahr ausgezahlt. Es gibt außerdem einen Jugendvertrauensrat. Es gibt ein Bildungszentrum, an dem Pflege- und Betreuungsberufe erlernt werden können. Dort finden u.a. auch Tage der offenen Tür, an denen man erste Informationen erhalten kann. Der FSW fördert und fordert seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets. Es gibt einen Schulungskatalog, aus dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sie interessante Schulungen aussuchen und sich dazu anmelden können.
Digitalisierung
Beim FSW gibt nur digitale Kundenakten. Einladungen an Kundinnen und Kunden werden nicht per Post verschickt, sondern per SMS. Zudem besteht die Möglichkeit Anträge online zustellen. Es gibt eine gemeinsame Software für den FSW, Träger und beteiligte Einheiten. So können alle Beteiligten nachvollziehen, welchen Weg die Kundin oder der Kunde bisher gegangen ist und was in der Vergangenheit passiert ist. Auch werden Zuweisungen zu Wohnunterkünften so vereinfacht und der Träger bestätigt die Aufnahme einer Kundin oder eines Kunden im System auf diese Weise. Die Info gelangt dann auf direktem Wege an die zuständige Mitarbeiterin oder denzuständigen Mitarbeiter des FSW.
Außerdem haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FSW über eine zusätzliche Plattform die Möglichkeit Daten des Innenministeriums abzufragen, wie z.B.Straftaten, Besitz eines PKWs, oder Ausreisen.
Natürlich werden noch E-Mails verschickt, aber viele Anliegen untereinander klären die Kolleginnen und Kollegen des FSW gerne kurzfristig über einen Chatroom, seien es fachliche Fragen, oder auch die Organisation eines Arbeitstags innerhalb einer Abteilung (wer übernimmt welche Aufgaben).
Nachhaltigkeit
Durch die weitgehende Digitalisierung und digitale Kundenakten wird beim FSW nahezu papierlos gearbeitet.
Leitungswasser gilt als Standardgetränk (nicht nur im FSW, auch in der Gastronomie Wiens). Überall bekommt man ungefragt und unaufgefordert zusammen mit der Speisekarte erst einmal ein Glas Wasser. Kaum eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter reist mit dem Auto an. Das U- und S-Bahn Netz ist extrem gut ausgebaut und man erreicht mit nur sehr kleiner Wartezeit sein Ziel. Die Taktung der Bahnen ist sehr eng, alle 2-10 Minuten, abhängig davon ob es sich um eine U-Bahn oder um eine S-Bahn handelt. Zudem ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs sehr günstig und dadurch umso attraktiver. Eine Jahreskarte für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb Wiens kostet 365 Euro, d.h. man kann pro Tag / Jahr für einen Euro U- und S-Bahnen nutzen.
Viele Kolleginnen und Kollegen reisen für ihre Arbeit aus dem angrenzenden Bundesland Niederösterreich täglich nach Wien. Diese Menschen haben die Möglichkeit ein sogenanntes Klima-Ticket zu erwerben. Für 1.200 Euro jährlich kann man in ganz Österreich öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wesentlich günstiger und umweltschonender als der Besitz eines eigenen PKWs.
Inklusion
Das Servicecenter für Kundinnen und Kunden verfügt über ein Tast-Leitsystem. Die Büros sind großzügig angelegt, sodass ein Rollstuhl problemlos hineinpasst. Es gibt zudem ein inklusives Kunden-WC, das neben der Barrierefreiheit und Größe über einen Hebelift verfügt. Ziel ist es, dass Kunden, die zuhause kein barrierefreies Badezimmer haben, sich anmelden können, um hier zu baden oder zu duschen. Das Bad war während meines Praktikums gerade fertiggestellt, sodass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Körperpflege benutzt worden war.
Eine Idee für Wuppertal
Ähnlich wie beim FSW, bei dem die Mitarbeitenden statt langer E-Mail-Verläufe einen Chatraum nutzen, könnte auch in Wuppertal die verbindliche Nutzung des Zoom-Chats sinnvoll sein. Dadurch ließen sich Anliegen und Rückfragen schneller, transparenter und effizienter bearbeiten, was die interne Kommunikation insgesamt verbessern würde. Die Einführung einer gemeinsamen Plattform für Träger und Jobcenter könnte den effizienten Austausch von Zuweisungen, freien Teilnehmerplätzen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sowie Zwischen- und Abschlussberichten und weiteren relevanten Dokumenten erleichtern.
Fazit
Ich hatte eine wirklich tolle Zeit in Wien, während und auch außerhalb der Arbeitszeit. Alle Kolleginnen und Kollegen, bei denen ich hospitieren durfte, haben sich, trotz hohem Arbeitspensum, unheimlich viel Zeit für mich genommen und es war ihnen ein Anliegen, dass ich ihre Arbeitsinhalte und Arbeitsweise verstehe. Ich habe während meines Praktikums fast alle Bereiche des FSWs durchlaufen (außer die Schuldnerberatung) und habe so einen kurzen und kompakten Eindruck über das Unternehmen gewinnen können. Neben dem fachlichen Austausch habe ich den Austausch mit echten Wienerinnen und Wienern sehr genossen. Ich habe viel Interessantes über Wien und Österreich erfahren und auch viele schöne neuer Wörter kennengelernt. Als studierte Germanistin hatte ich daran auch besondere Freude. Ich habe mich im FSW sehr willkommen gefühlt! Meine Freizeit in Wien habe ich auch unheimlich genossen. Das Wetter dort ist wesentlich weniger nass als in Wuppertal und so konnte ich bei sommerlichen Temperaturen, während in Wuppertal jeden Tag Regen fiel, die Stadt erkunden. Dass man überall "Geschichte" spürt und sieht hat mir am meisten gefallen. Ebenso aber auch, dass dort immer und überall etwas los ist. Das kenne ich aus meinem Leben in einer deutschen Kleinstadt nicht und habe das rege Treiben dort sehr genossen!