Ruth Mörschel in Wien
Ruth Mörschel war als Bildungs- und Netzwerkmanagerin für Klima und Nachhaltigkeit von Ende Mai bis Anfang Juni während eines dreiwöchigen Praktikums bei der Stadt Wien in zwei Dienststellen.
Einsatzorte
- Wiener Umweltanwaltschaft
- Haus des Personals/ Personalentwicklung
Wissenswertes und Impulse
Nachhaltige Bewusstseinsbildung
Schon seit 1997 fördert die Stadt Wien mit dem Programm Umweltmanagement im Magistrat (PUMA) innerhalb der Magistrate klima- und umweltbewusstes Handeln der Mitarbeitenden. Ein Aufkleber am Aufzug in einem städtischen Gebäude, der darauf hinweist, dass Treppensteigen Energie spart, Hinweise zur Mülltrennung in den Seminarräumen der Wien Akademie, eine wiederverwendbare Trinkflasche als Begrüßungsgeschenk für Newcomer*innen – nur kleine Beispiele dafür, wie auf nachhaltiges Handeln aufmerksam gemacht werden soll. Darüber hinaus gibt es PUMA Beauftrage und Ansprechpersonen in den Dienststellen, die daran mitwirken, nachhaltige Bewusstseinsbildung voranzutreiben. Einmal im Jahr findet das PUMA Forum zum Austausch statt, bei dem Impulse geteilt und Herausforderungen diskutiert werden. Darüber hinaus befasst sich eine Person aus einer Magistratsabteilung mit den Themen Klimakommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zum Thema Klima und Nachhaltigkeit. Hierbei geht es darum, dass Mitarbeitende durch Online und Präsenzveranstaltungen Wissen und Kompetenzen erlangen, sich vernetzen und austauschen und Materialien und Tipps zur Verfügung gestellt werden. Für die Bürger*innen steht der Klima-Campus zur Verfügung, eine Homepage, auf der vielfältige Angebote zum Thema Klimabildung zu finden sind.
Die Donauinsel – ein zufällig entstandener Ort für Nachhaltigkeit
1988 wurde wohl eines der umfangreichsten Stadtentwicklungsprojekt fertiggestellt: die Donauinsel. Ursprünglich geplant als Hochwasserschutz ist die 21 km lange Insel heute ein Hotspot für Biodiversität und Diversität. Schätzungsweise als 200.000 Menschen pro Jahr besuchen die Insel und nutzen sie zum Radfahren, Joggen, aber auch zum Picknick, Grillen oder Schwimmen. Menschen mit dem Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug oder nach Gesellschaft und Unterhaltung (Donauinselfestival), alle finden ihren Platz. Die Donauinsel hat eine sehr gute Nahverkehrsanbindung und ist nahezu konsumfrei, auch das macht sie so besonders und außergewöhnlich. Nachdenkenswert, dass dieser ursprünglich als Schutz vor Hochwasser geplante Ort sich ganz von selbst als nachhaltiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen entwickelt hat.
Gemma Zukunft
„Gemma Zukunft“ (Gehen wir in die Zukunft) ist ein kostenloses Angebot der Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Wien. Interessierte können sich über eine Online Plattforum von April bis Oktober für Spaziergänge und Radtouren anmelden, bei denen es um die Frage geht, wie die Stadt Wien in Zukunft aussehen wird. An einem dieser Angebote, einer Wanderung mit einem Wildtierökologen aus dem Team der Wiener Umweltanwaltschaft am Rande des Regionalpark Drei-Anger (Grenze zu Niederösterreich), durfte ich teilnehmen. Im grünen Gürtel Wiens so viele Tiere und Pflanzen in ihrem natürlichen Umfeld zu sehen, war sehr eindrucksvoll. Wien hat neben Bezirken, die für moderne Architektur und Stadtentwicklung stehen auch solche, in denen Weinberge, Landwirtschaftliche Flächen, Wiesen und Wälder das Stadtbild prägen.
Querschnittsthemen
Personalentwicklung / Ausbildung
Einen Einblick in die Personalentwicklung zu bekommen, fand ich sehr spannend. Die Stadt Wien hat ca. 65.000 Beschäftigte, allein diese Zahl gibt einen Hinweis auf die Dimensionen in denen Personalentwicklung gedacht und umgesetzt wird. Die Stadt Wien hat eine eigene Akademie in der die Aus- und Weiterbildungsangebote durchgeführt werden. Neben den Newcomer*innen Schulungen für Beschäftigte die neu eingestellt wurden, gibt es vertiefende Kursangebote zur Weiterbildung. Ein besonderes Programm an dem ich teilnehmen durfte war „Jobs PLUS Ausbildung“. Eine duale Ausbildung im Bereich Verwaltung/Administration, die jungen engagierten Menschen die Möglichkeit eröffnet innerhalb von 13 Monaten eine Studienberechtigungsprüfung, die Dienstausbildung für den Magistrat der Stadt Wien sowie eine praktische Ausbildung in Dienststellen der Stadtverwaltung zu absolvieren.
Digitalisierung
Auch bei der Weiterentwicklung der Bildungsangebote bietet die Stadt Wien bereits Lernvideos über eine digitale Plattform an. Darüber hinaus findet außerdem eine stetige Weiterentwicklung der Präsenzangebote statt. Inwiefern digitale Medien sinnvoll und als Lernunterstützung eingebunden werden können war Teil unserer Gespräche während des Wissensaustauschs. Darüber die Frage, welche Verwaltungsvorgänge zukünftig von KI übernommen werden könnten, damit Bürgeranliegen oder Verfahren schneller bearbeitet werden können.
Eine Idee für Wuppertal
Eine Newcomer*innenschulung für Quereinsteiger*innen anbieten in der die Arbeitsweise der Stadtverwaltung Wuppertal sowie ihre Haltung zu Diversität, Korruption, Nachhaltigkeit und weiteren wichtigen Themen transparent wird. Zudem ist es eine Möglichkeit, dass Kolleg*innen sich Ressort- und Abteilungsübergreifend kennenlernen und austauschen.
Fazit
Wien ist aus meiner Sicht immer einen Besuch wert. Die Wiener Kolleg*innen, ihre Arbeit und Arbeitskultur in Gesprächen kennenzulernen, war eine außergewöhnliche Erfahrung. Die Stadt Wien neben ihrer Tradition und ihrer Geschichte auch mit einem nachhaltigen Blick zu erkunden, war für mich besonders und wertvoll. In ihrer Geschichte haben die Wiener*innen immer wieder Mut bewiesen, ihre Zukunft und ihre Stadt neu zu gestalten und anders zu denken, das wünsche ich mir für meinen Arbeitsalltag und meine Stadt genauso.