Anika Lößner in Valencia
Anika Lößner absolvierte ihre Ausbildung zur Tierpflegerin im Wuppertaler Zoo und begann danach ein 4-wöchiges EU-Praktikum im L´Oceanographic in Valencia
Einsatzorte
Verschiedene Reviere im L´Oceanographic: Belugas | Delfine | Mähnenrobben
Wissenswertes und Impulse
Aufgaben
Zu den täglichen Aufgaben zählte die Unterstützung des Tierpflegerteams bei der Versorgung der Tiere. Darüber hinaus gehörten die Reinigung der Tieranlagen, insbesondere der Landbereiche, sowie die Säuberung der Fischküche zum Arbeitsalltag.
Beobachtung und Verhalten
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit war die Beobachtung der Tiere. Bei den Delfinen und Seelöwen lag der Fokus dabei besonders auf ihrem Verhalten innerhalb der Gruppe. Bei den Jungtieren der Seelöwen konnte außerdem das Trinkverhalten näher betrachtet werden. Dabei spielte unter anderem eine Rolle, wie lange sie bei ihrer Mutter tranken und welche Zitze sie dafür nutzten.
Medical Training und tiermedizinische Untersuchungen
Im Rahmen des Medical Trainings und der tiermedizinischen Untersuchungen erfolgte die Vorbereitung und Durchführung verschiedener medizinischer Maßnahmen. Dazu gehörten unter anderem Blutabnahmen, die Entnahme von Magensaft- und Blaslochproben sowie Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen.
Enrichment und Beschäftigung
Um die Tiere zu beschäftigen kamen verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten zum Einsatz. Dazu zählten unter anderem Bälle, die teilweise mit Fisch gefüllt waren, verschiedene Eisbomben sowie Spielzeuge aus Feuerwehrschläuchen und Ringe. Auch Wasserstrahlen wurden gezielt zur Beschäftigung eingesetzt.
Ein Tag bei den Pinguinen
Eine besondere Beobachtung war das Targettraining mit den Felsenpinguinen. Da diese Trainingsmethode vor allem aus der Arbeit mit Säugetieren bekannt ist, stellte ihr Einsatz bei den Pinguinen einen interessanten Einblick dar.
Auch das Training der Eselspinguine bot spannende Einblicke. Die Tiere lernten, ein bestimmtes Wort von vier anderen Wörtern zu unterscheiden.
Darüber hinaus unterschieden sich die Fütterungen von denen im Wuppertaler Zoo. Dadurch bot sich die Möglichkeit, andere Abläufe und Herangehensweisen in der Pinguinhaltung kennenzulernen und mit den eigenen Erfahrungen zu vergleichen.
Querschnittsthemen
Digitalisierung
Digitale Lösungen erleichtern im L’Oceanogràfic die Dokumentation und den täglichen Ablauf. Daten zur Tiergesundheit, Fütterung und zu Trainingseinheiten werden digital erfasst und dokumentiert. Bei den Delfinpräsentationen unterstützen Bildschirme eine mehrsprachige Kommentierung. QR-Codes ermöglichen Mitarbeitenden und Besuchern den digitalen Zugang zu verschiedenen Angeboten. Dazu gehören unter anderem Audiobeschreibungen, Gebärdensprachvideos und Informationen in Leichter Sprache.
Auch im Stadtgebiet setzt Valencia auf digitale Lösungen. Sensoren erfassen Daten zu Verkehr, Parkplatzverfügbarkeit, Müllaufkommen, Luftqualität und Lärm, die teilweise öffentlich zugänglich sind. Darüber hinaus werden der CO₂- und Wasserfußabdruck des Tourismussektors in Echtzeit erfasst und zertifiziert.
Nachhaltigkeit
Im L’Oceanogràfic wird Meerwasser für die Tierbecken genutzt.
Auch die Stadt Valencia verfolgt verschiedene Maßnahmen. Als Grüne Hauptstadt Europas 2024 verfolgt sie das Ziel, bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. Dazu tragen ein über 200 Kilometer langes Radwegenetz, zahlreiche Fahrradverleihstationen und autofreie Bereiche in der historischen Innenstadt bei. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Wiederverwendung von Brauchwasser für die Straßenreinigung und die Bewässerung öffentlicher Grünflächen. Dadurch konnte der Frischwasserverbrauch im öffentlichen Raum reduziert werden.
Inklusion
Ein barrierefreier Besuch des L’Oceanogràfic wird durch verschiedene Maßnahmen unterstützt. Im Delfinarium stehen spezielle Rollstuhlplätze zur Verfügung, zudem erleichtern Rampen und Aufzüge die Zugänglichkeit. QR-Codes bieten ergänzend Audiobeschreibungen, Gebärdensprachvideos und Informationen in Leichter Sprache, sodass Besucher mit unterschiedlichen Bedürfnissen die Angebote nutzen können.
Demokratisches Leben
Die Stadt Valencia fördert die Beteiligung der Bevölkerung an kommunalen Entscheidungsprozessen. Über digitale Beteiligungsplattformen können Bürgerinnen und Bürger eigene Vorschläge für den kommunalen Haushalt einreichen und über mögliche Projekte abstimmen.
Eine Idee für Wuppertal
Die Einführung digitaler Tablets zur Tierdokumentation könnte die Arbeit im Grünen Zoo Wuppertal sinnvoll ergänzen. Beobachtungen zur Gesundheit, zum Sozialverhalten und zur Futteraufnahme der Tiere sowie zu durchgeführten Trainingseinheiten ließen sich direkt vor Ort digital erfassen. Dadurch könnten Veränderungen und Entwicklungen langfristig nachvollzogen und wichtige Informationen zentral gebündelt werden. Dies würde den Informationsaustausch innerhalb des Tierpflegeteams erleichtern und eine gezielte Betreuung der Tiere unterstützen.
Fazit
Das vierwöchige Praktikum in Valencia im L´Oceanographic ermöglichte mir einen Einblick in die Arbeit mit Belugas, Delfinen und Mähnenrobben. Ich konnte einen Einblick in deren Training und Arbeit mit den Tieren bekommen sowie mit anderen Tierarten arbeiten die es im Grünen Zoo Wuppertal nicht gibt. Durch meine vorherigen Praktika in den Delfinarien Duisburg und Nürnberg während meiner Ausbildung konnte ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit den verschiedenen Tieren, der Arbeit und Training beobachten. Ich nehme viele wertvolle Impulse für mein eigenes Tiertraining sowie weitere nützliche Ideen mit, beispielsweise für das Monitoring der Tiergesundheit im Grünen Zoo Wuppertal.