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EUROPA Förderung

Auszubildende und Ausbilder*innen berichten aus dem Praktikum

Alina Lekscha und Jenny Schüttke in Varese/Italien

Frau Lekscha und Frau Schüttke absolvierten während ihrer Ausbildung zur Erzieherin vom 25.06.2022-09.07.2022 ein Praktikum in Varese. Sie arbeiteten im Sommercamp "GO AROUND", ein Angebot der italienisch-englischen Grundschule in Varese.

Auf nach Varese! Das heißt 9 ½ Stunden und 850 km Autofahrt, 16 km Gotthard Tunnel, 38 Euro für eine Schweizer Vignette …

Wir fuhren am Sonntag gegen 4.30 Uhr los und kamen um 14 Uhr in Varese an. Unsere schöne Ferienwohnung mit Sonnenterasse lag im Zentrum, sodass wir in nur 15 Minuten unsere Praktikumsstelle, das Sommercamp der Organisation GO AROUND, auf dem Gelände der bilingualen "School litte England. Scuola Piccola England" erreichen konnten.

Blick auf den Lago di Varese

GO AROUND existiert seit acht Jahren und ist eine eigenständige Organisation in der bilingualen Schule mit insgesamt vier Mitarbeiter*innen: Francesca, Lucas, Iris und Lina. Sie sind für die Hausaufgabenbetreuung der Schüler*innen in den Nachmittagsstunden verantwortlich, in den Sommerferien für die Planung und Durchführung des Sommercamps.

Francesca und Lucas leiten das 7-wöchige Sommercamp. Das Team wird in jedem Jahr von Praktikant*innen aus verschiedenen Ländern unterstützt. Zusammen bilden sie ein multikulturelles Team, das voneinander lernen soll. Die Teilnahme am Sommercamp kostet pro Kind 80 Euro die Woche. Möchten die Kinder mittags in der Cafeteria essen, kommen 5 Euro pro Tag dazu. Alternativ besteht die Möglichkeit zum Picknick, das heißt sie verzehren das, was sie mitgebracht haben.

Die Kinder im Alter von 6-14 Jahren sind während des Sommercamps aufgefordert, ihre vorhandenen Englischkenntnisse einzusetzen.

Das Motto lautet: "Learning by doing", was auch für uns zutraf.

Auch wir mussten schnell ein paar italienische Wörter lernen. Jedes Kind versuchte uns ein Wort beizubringen. So lernten wir natürlich zuerst, dass "Bambini" Kinder heißt und "Amicizia" Freundschaft - unser Lieblingswort.

Zum Schulsystem: In Italien ist der Besuch des Kindergartens im Alter von 3-6 Jahren freiwillig. 6 Jahre sind die Kinder bei Einschulung in der Grundschule. Die nur insgesamt 8-jährige Schulpflicht ist mit dem Besuch der Mittelschule beendet. Natürlich können sich die Kinder schulisch weiterqualifizieren und zum Gymnasium oder zu einer Berufsschule wechseln. Überrascht hat uns, dass alle bereits in der Grundschule Englisch lernen.

Die ersten Tage im Piccolo England Camp - aufregend und erlebnisreich.

Das Team und die Kinder empfingen uns sehr freundlich. Wir wurden direkt in die Gruppe und auch in den Arbeitsplan der Camp-Wochen integriert. Wir erhielten je eigene Zuständigkeiten im Wochenplan, begleitet von jeweils einer/m eigenen Mentor*in. Von Anfang an arbeiteten wir so verantwortlich mit und wurden von den Kindern als Ansprechpartnerinnen des Camps wahrgenommen.

Unterschiede, die uns schnell auffielen:

  • Auf die Frage, wann wir da sein sollten, wurde in der Regel mit "circa …" geantwortet. Daran mussten wir uns erst einmal gewöhnen, denn wir sind ja sehr konkrete Zeitansagen gewöhnt.
  • Die Tage waren zwar geplant, aber der Ablauf ließ immer viel Raum für Unvorhergesehenes, mit dem flexibel umgegangen wurde. Der Tag verlief dann entsprechend angepasst.
  • Die Kinder gingen nicht zur Toilette, wenn sie mussten. Es gab vielmehr eine Pause, in der die Gruppe dann gemeinsam die Toilette aufsuchte.
Der Außenbereich der School litte England Scuola Piccola England ist nicht besonders groß. Dennoch fanden hier alle sportlichen Aktivitäten statt.

Die Kinder nannten ihre Namen, ihr Alter und ihre Hobbys und durften allerhand Fragen im Kreisspiel stellen. Sie wollten zum Beispiel von uns wissen, ob wir selbst Haustiere besitzen und ob wir italienisches Essen mögen. Es fiel uns leicht, in Englisch zu kommunizieren. Allerdings bemerkten wir im Laufe der Zeit, dass unser aktiver Wortschatz nicht immer für konkrete Beschreibungen ausreichte. Einen Weg zur Verständigung fanden wir aber immer.

Der Programmschwerpunkt der ersten Woche lag im Bereich des "Künstlerischen". Wir haben uns zusammen Videos von bekannten Künstlern (Picasso u.a.) angesehen, gemalt und gebastelt.

Jennifer Schüttke:

Meine Aufgabe war es, die Kinder zu beaufsichtigen, darüber hinaus alle Camp-Aktivitäten zu unterstützen, aber auch verantwortlich durchzuführen - so wie ich es aus dem Kita Alltag in Wuppertal kenne.

Am Mittwoch besuchten wir das Schwimmbad in Varese. Dort beaufsichtigte ich eine Kleingruppe von 4 Mädels - die jüngsten im Camp. Mit einem der Mädchen übte ich fleißig schwimmen, was mir sehr viel Spaß bereitete, da ich einige Wochen zuvor das Rettungsschwimmer-Abzeichen absolviert hatte. Daher konnte ich meine Kenntnisse direkt anwenden.

Außerdem plante ich im Vorfeld die Aktivitäten für die nächste Woche - eine "Deutsche Woche", für deren Planung und Durchführung Alina und ich verantwortlich waren. Auf dem Programm standen jeweils 3 einstündige Aktivitäten.

Alina Lekscha: 

Im Wesentlichen wurde auch ich für die Beaufsichtigung und Betreuung der Kinder eingesetzt. So konnte ich zunächst beobachten, welche Regeln es gab und auf welche Weise mit den Kindern gearbeitet wurde.

Ich versuchte, mit einigen von Ihnen so oft wie möglich ins Gespräch zu kommen, um etwas über sie und ihre Hobbies zu erfahren. Dabei konnte ich als schöner Nebeneffekt einzelne italienische Vokabeln lernen.

Nachmitttags half ich während der Hausaufgabenzeit einzelnen Kindern bei ihren englischen Hausaufgaben. Im Gegenzug bekam ich etliche Vokabeln beigebracht, z.B. die Farben oder die Namen von Früchten.

Mir ist aufgefallen, dass mit den Kindern im Camp durchaus anders gearbeitet wird, als ich es kennen gelernt habe. Bei uns dürfen die Kinder selbstständiger agieren und Entscheidungen treffen. Wir trauen ihnen offenbar mehr zu, was ich -da ich dies nun vergleichen durfte- sehr schätzen lerne. 

Aus dieser Erkenntnis heraus entschied ich, die Kinder bei der konkreten Ausgestaltung meiner drei Angebote für diese "Deutsche Woche" aktiv zu beteiligen.

Es hat uns insgesamt eine Menge Nerven gekostet, die Woche im Rahmen der Möglichkeiten eigenständig zu planen, aber es gab auch viele Anregungen aus dem Team, die uns halfen, die Woche erfolgreich zu gestalten. 

Sommercamp Woche 2: Die "Deutsche Woche"

Die zweite Woche verlief ganz anders: Zuvor hatten wir eher mitgearbeitet und begleitet. Nun füllten wir die Tage selbständig und mit eigenen Angeboten. Die Kinder sollten spielerisch etwas über Deutschland erfahren.

Und hier die Ergebnisse

Jennifer Schüttke: 

Meine Beiträge waren im Einzelnen "Stopp Tanz" mit deutscher Musik, die Präsentation bekannter deutscher Städte, wie beispielsweise Berlin, Frankfurt und Hamburg die Vorstellung berühmter Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Einstein (…). Für die Kinder hatte ich eine Reihe von Aktivitäten im Angebot:

  • Ich ließ sie anhand von "qube stories" (Instagram)Geschichten zu Deutschland erzählen
  • Sie sollten Bilder zeichnen, die ihrer Meinung nach für "typisch deutsch" stehen. Dazu zeigte ich Bilder von bekannten deutschen Städten, Sehenswürdigkeiten, Persönlichkeiten und landestypischem Essen, wie Brezeln etc.
Fischer, Fischer ... wie tief ist das Wasser

Alina Lekscha: 

Ich hatte mir vorgenommen, dass die Kinder den Verlauf der Aktivitäten mitplanen.

  • Das deutsche Alphabet: die Kinder bestimmten, zu welchem Thema und Buchstaben sie eine deutsche Vokabel kennenlernen möchten. Letztendlich entschieden sie sich für die Übersetzung von Obst- und Gemüsesorten. Sie formulierten die Idee, die Früchte und das Gemüse zu zeichnen, damit sie ein Bild vor Augen hatten.
  • TABU- mit deutschen Wörtern: Ich beteiligte die Kinder an der Vorbereitung des Spiels. So kamen wir ins Gespräch und sie gestalteten die Aktivität direkt mit.
  • Ein Quiz zu Deutschland: Zum Abschluss der Woche gab es ein Fragespiel zu dem, was die Kinder in der Woche erfahren haben. Und auch dieses Mal bereiteten einige Kinder mit viel Spaß den Vormittag mit vor.
    Ein kleines Highlight: Zusammen mit Lucas, dem Mitgründer des GoAround Camps, durfte ich das Sommercamp "LeQuerce Stables" und das Camp "Hakuna Matata" in Gallarate besuchen. Beide Camps liegen in etwa 35 Auto-Minuten von Varese entfernt.
Sommercamp "LeQuerce Stables"

Dort standen ganz andere Angebote auf dem Programm als im Piccolo England Camp. Ich bekam mit, dass die Mitarbeiterinnen den Kindern viele Bilder zeigten, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie in anderen Ländern gelebt wird.

Hospitieren durfte ich im Sommercamp "Hakuna Matata", wo ich super herzlich von Barbara, der Chefin des Camps und Valeriya, der russischen Praktikantin empfangen wurde. Vor mir standen dann zehn Kinder im Alter von 3-10 Jahren, welche mich ansahen, als käme ich von einem anderen Planeten. Wir verständigten uns mit Händen und Füßen, denn die Kinder konnten kein bzw. kaum Englisch sprechen.

Ich durfte beim Tanzen auf dem Hof teilnehmen - ein Icebreaker, der es mir leichtmachte, weitere Spiele mit ihnen zu spielen. Auch berichtete ich ein wenig über Deutschland. Das funktionierte deshalb, weil Valeriya alles auf Italienisch übersetzte, was ich auf Englisch formulierte. Im Gegenzug erzählten sie mir etwas von italienischen Gegebenheiten und dem ausgesprochen leckeren Essen.

Digitales Tool

Mit einer digitalen Überraschung wartete Iris aus dem Camp auf, als sie erklärte, sie hätte eine App, die es ihr erlaubt nachzuschauen, ob ihr Kind in der Schule anwesend ist und welche Lerninhalte für den Tag anstehen. Das fanden wir sehr fortschrittlich.

Resümee: Eine tolle Erfahrung!

Jennifer Schüttke: 

Durch das Auslandspraktikum habe ich erste internationale Berufserfahrungen gesammelt und die italienische Kultur in Teilen näher kennenlernen. Ich lernte vor allem flexibler zu arbeiten und konnte darüber hinaus meine Sprachkenntnisse erweitern.

Spannend war es, Aufgaben und die besonderen Herausforderungen eines Sommercamps kennenzulernen und anders als in der Kita, mit Kindern einer anderen Altersgruppe zu arbeiten. Ich lernte die Initiative zu ergreifen und verschiedene Präsentationstechniken anzuwenden. Das Praktikum hat sich definitiv gelohnt!

Alina Lekscha:

Ich habe unglaublich viel gelernt - über mich selbst und beruflich. Als angehende Erzieherin ist es sehr wichtig, verschiedene Perspektiven zuzulassen und einzuordnen. Manchmal musste ich aufgrund der Sprachbarrieren über meinen eigenen Schatten springen, um in dieser neuen Arbeitssituation auf anderssprachige Kinder zu- und einzugehen. Von Tag zu Tag fiel es mir aber zunehmend leichter, denn mein Englisch wurde immer besser.

Es war das erste Mal für mich, mit 6-14-jährigen zu arbeiten. Aufgrund dieser Erfahrung kann ich mir deshalb gut vorstellen, was mich in den nächsten Ausbildungsjahren erwartet.

Gerne freundete ich mich mit der südländischen Mentalität der kleinen und großen Vareser*innen an. Alles in allem war die Erfahrung, Ausnahmesituationen erfolgreich zu bewältigen und daran zu wachsen, eine der positivsten während meiner Praktikumszeit.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal
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