Carsten Koch beim Fonds Soziales Wien
Carsten Koch ist Ausbilder und Integrationsfachkraft im Jobcenter Wuppertal. Im Jahr 2024 absolvierte er ein zweiwöchiges EU-Praktikum beim Fonds Soziales Wien.
Einsatzorte
Strategische und operative Abteilungen des FSW (Schwerpunkt Flüchtlingshilfe)
Wissenswertes und Impulse
Aufgaben des "Fonds Soziales Wien": Der FSW wurde vom Rat der Stadt als Stiftung für die soziale Grundversorgung als Notwendigkeit zur Sicherung der sozialen Gerechtigkeit und des sozialen Friedens gegründet. Er tritt als behördenähnliche Rechtsform auf und fördert eine Vielzahl an Trägern und Projekten in der Stadt Wien. Mit inzwischen mehr als 2.500 Mitarbeitenden ist der FSW zu einem der großen Arbeitgeber im Stadtgebiet geworden und stellt nach eigenem Wertebild die soziale Sicherheit in Wien her. Die Hauptaufgaben sind die aufsuchende pflegerische und medizinische Unterstützung, die Unterbringung von geflüchteten Menschen, deren Grundversorgung und die Förderung erforderlicher Projekte für Geflüchtete. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die gesundheitliche Betreuung und die Förderung der Träger zur psychischen Stabilisierung und Berücksichtigung besonderer Personengruppen (z.B. LGBTQ, psychisch Erkrankten, Frauen, unbegleitete Minderjährige) geworfen.
Fonds Soziales Wien als Arbeitgeberin: Interessant ist, dass der FSW bereits seit vielen Jahren stets als hervorragender Arbeitgeber ausgezeichnet wird. Es gibt aktuell keinen Nachwuchsmangel, obwohl sich die Ausbildung traditionsgemäß auf die Bereiche Pflege und medizinische Betreuung konzentriert.
Der FSW bietet neuen Mitarbeitenden eine Vielzahl an aufgabenbezogenen Schulungen, Benefits wie 15 Monatsgehältern, Zuschuss zur Mittagsverpflegung, freier Home-Office-Regelung mit dienstlichem Notebook und nicht zuletzt einem breitem Schulungsangebot kooperierender Träger, aus dem frei gewählt werden kann.
Mitarbeitende im Publikumsverkehr können außerhalb der Publikumszeiten, Nacharbeiten in der Sachbearbeitung im Home-Office zu erledigen.
Rotierendes Arbeitssystem im Bereich Erstanträge zur Grundversorgung: Die aus vier Arbeitsbereichen bestehende Abwicklung der Antragsannahme und -bearbeitung wird von allen Mitarbeitenden im Rotationssystem erledigt. Das Team bespricht im morgendlichen Briefing die Besetzung der Arbeitsplätze am Frontdesk, in der Antragsannahme, der Freigabe und der Beratung. Eine Steuerung durch die Teamleitung ist nur bei unerwarteter Personalknappheit notwendig. Das Team schlägt der Teamleitung die Anzahl der möglichen Kunden*innen-Termine vor und behält eigenverantwortlich die täglich zu erledigende Arbeit im Blick. Darüber hinaus bemühen sich die Mitarbeitenden um eine schnelle und exakte Erledigung der Aufgaben, um Nacharbeiten zu verhindern.
Querschnittthemen
Digitalisierung
Alle Arbeitsplätze sind mit Unterschriftenpads versehen.
Im Publikumsverkehr werden Unterlagen bevorzugt per Mail an die Kunden*innen versandt. Terminvereinbarungen mit Kunden*innen und nachzureichende Unterlagen werden mittels QR-Codes abgewickelt.
Als immenser Vorteil bei der Effizienz und Zusammenarbeit aller Dienststellen, Träger und Einheiten hat sich der Einsatz einer gemeinsamen Software dargestellt. Durch eine gut gestaltete Rechtevergabe werden über diese Software alle Kunden*innenakten, Termine von der Erstaufnahme in der Aufnahmeunterkunft über die Antrags- und Beratungsstellen der Grundversorgung bis hin zu den Beratungsstellen des FSW und der angeschlossenen Träger abgewickelt. Die in der Software dokumentierten Vorgänge sind für die jeweils zuständigen Mitarbeitenden sichtbar. Ein besonderes Highlight ist die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium. Dieses sammelt alle aufenthalts- und leistungsrelevanten Daten und sendet sie digital in kurzen, regelmäßigen Abständen an die zuständigen Teams im FSW. So gelangen Informationen über z.B. Grenzübertritte, Straftaten, Besitz eines Kfz., Aufenthaltsverstöße an die leistungsführenden Stellen.
Nachhaltigkeit
Ein wichtiger Punkt in den jährlichen Mitarbeitenden-Gesprächen zwischen Führungskraft und Mitarbeitende ist der Umgang mit Ressourcen.
Die Standards: Minimalistische Ausstattung an Mobiliar und Räumen, pragmatischer Umgang mit der Möglichkeit des Home-Office, Strom sparen, Leitungswasser als Standardgetränk, offene Küchen in Meetingräumen. Das dichte Netz der öffentlichen Verkehrsmittel wird nahezu von allen Mitarbeitenden genutzt.
In der Stadt sind in großer Anzahl Trinkwasserspender zu finden sowie Bänke mit Müllbehältern (österr. "Mistkübel" genannt) daneben. Die Stadt Wien arbeitet an einer stärkeren Begrünung, auch mit Förderung von Projekten zum Aufstellen von Pflanzkästen vor den Häusern in den Wohngebieten.
Inklusion im Stadtbild
- Konsequent installierte tast- und hörbare Leitsysteme,
- an allen notwendigen Stellen abgesenkten Bordsteine, die u.a. auch für blinde und gehbehinderte Menschen die selbständige Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglicht,
- neben Treppen befinden sich Rampen oder Fahrstühle. Alle Fahrstühle sind mit Lautsprecheransagen zu allen Vorgängen und ertastbaren Logos ausgestattet.
- Die App der Verkehrsbetriebe in Wien ist auch für ungeübte Smartphone-Besitzende intuitiv bedienbar und bietet Störungsmeldungen in Echtzeit an.
Eine Idee für Wuppertal
Optimierung der Arbeitsabläufe im Bereich "Antragstellung"
Beim Erstkontakt einen QR-Code zuleiten, damit die antragstellende Person alle Dokumente direkt übermitteln kann. Die Mitarbeitenden arbeiten ohne Medienbruch, von der Ankunft bis zur weiteren Betreuung durch die beauftragten Träger mit der gleichen Software. Lediglich die Zugriffsrechte sind den Arbeitsfeldern angepasst.
Mein Fazit
Das kollegiale Miteinander, über alle Hierarchieebenen hinweg, hat mich sehr beeindruckt. Das Selbstverständnis für einen fachlichen Austausch zwischen operativer Ebene und oberste Leitungsebene ist stark ausgeprägt.
Ich habe sehr viele Ideen für meine Arbeitgeberin mitgebracht und jetzt gilt es, diese Ideen an meine Kolleg*innen weiterzugeben.